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Der Vitalpilz Reishi (Ganoderma lucidum) – Therapieoption bei Krebserkrankungen

Einleitung

Der Vitalpilz Reishi stellt mittlerweile auch hierzulande einen festen Bestandteil der Vitalpilz-Therapie, der Therapie mit medizinisch relevanten Großpilzen, dar. Als herausragendes Einsatzgebiet gilt die Anwendung bei Krebserkrankungen. Viele Patienten wollen mit Vitalpilzen typische Beschwerden lindern und ihren Krebs natürlich heilen.

Bei der sich zu besagtem Einsatzfeld im Umlauf befindenden Information ist die Grenze zwischen offensiver Marketingstrategie einzelner Anbieter und tatsächlicher Therapierelevanz nicht immer einfach zu ziehen. Die meist sehr allgemein gehaltenen Prädikate wie „einsetzbar/ wirksam bei Krebserkrankungen“ mit Verweis auf einzelne präklinische Untersuchungsergebnisse bei gleichzeitigem Fehlen klarer Indikationsgebiete liefern Therapeuten und Patienten zumeist nur ein vages und für den Therapieverlauf oft unzureichendes Bild über den möglichen Nutzen einer solchen Anwendung. Sinnvoll erscheint es deshalb, einen Blick auf den aktuellen Stand der Forschung zu werfen und mögliche Einsatzgebiete anhand der eigenen Praxiserfahrung zu identifizieren.

Der Vitalpilz Reishi ( Ganoderma lucidum)

Ganoderma lucidum, der glänzende Lackporling, auch bekannt unter der japanischen Bezeichnung „Reishi“ und der chinesischen „Ling Zhi“, genießt vor allem in der fernöstlichen Heilkunde großes Ansehen. Seine dort gebräuchlichen Beinamen „Pilz der Unsterblichkeit“, „König der Heilkräuter“ und „Zehntausend-Jahre-Pilz“ verweisen auf sein großes Ansehen als Stärkungsmittel und Verjüngungsmittel für Körper und Geist.

Auch in der Heilkunde der westlichen Hemisphäre hat er mittlerweile seinen festen Platz, neben den im Folgenden geschilderten Einsatz bei Krebserkrankungen, findet er auch bei allergischen und rheumatischen Beschwerden, bei Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und als Stärkungsmittel Anwendung. Seine vielfältigen Wirkungen werden vor allem dem Vorhandensein von hochkomplexen Polysacchariden, diversen Triterpenen und Enzymen zugeschrieben.

Gängige Darreichungsformen sind das Pulver oder der Trockenextrakt aus dem Fruchtkörper, sowie das reine Sporenpulver, das ausschließlich aus den Sporen des Reishi besteht.

Studienpanorama. Eine Übersicht über den aktuellen Wissensstand

Verschiedene Effekte, die eine Krebszelle in Entstehung, Wachstum und Verbreitung hemmen können, sind für den Reishi beschrieben worden. Dazu zählen: Zelltod von Krebszellen fördernde Effekte bei verschiedenen Krebszellarten, chemopräventive und anti-angiogenetische Effekte. Dabei handelt es sich jedoch meist um in-vitro Resultate, erst klinische Studien können über die notwendige Dosierung für in-vivo Resultate Aufklärung geben.

Für die chemo- und radioprotektive, für die chemosensibilisierende, immunmodulierende sowie für die Leber schützende (hepatoprotektive) Wirkung stehen auch Daten aus klinischen Untersuchungen mit teilweise viel versprechenden Ergebnissen zur Verfügung. Hierbei wurden meist Dosierungen von 1,8 Gramm dreimal täglich bis zu 5,4 Gramm täglich des Pilzpulvers aus dem Fruchtkörper oral verwendet.

Weitere therapeutische Vorteile des Reishi, die sich positiv auf die Gesundheit des Krebspatienten auswirken können sind seine adaptogenen, beruhigenden, schmerzlindernden und schlaffördernden Eigenschaften.

Für die wissenschaftliche Cochrane-Datenbank wurde eine kritische Gesamtbetrachtung aller neuen Erkenntnisse und Studien zum Thema „Ganoderma lucidum und Krebs“ erstellt, welche regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden soll. Die letzte Version (Jin et al. 2012) sieht keine ausreichende Evidenz, um Reishi als erstrangiges Therapeutikum bei Krebserkrankungen zu empfehlen, sieht aber das Potential des Arzneipilzes für die begleitende Therapie, einerseits aufgrund seiner immunmodulierenden Wirkung, andererseits darin, dass er die Empfindlichkeit des Tumorgewebes für schulmedizinische Therapien erhöht bei durchwegs guter Verträglichkeit. Besonders eindrucksvoll sind die Daten, welche belegen, dass die Aussicht auf Erfolg einer Chemo- oder Strahlenbehandlung unter der Gabe von Reishi gesteigert werden kann. Auch die im Folgenden geschilderte Beobachtung aus unserer Praxis, dass sich die Lebensqualität der Krebspatienten bessert, findet in vier in der Publikation aufgeführten Studien Bestätigung.

Erkenntnisse aus der naturheilkundlichen Praxis

Zusammen mit meiner Praxiskollegin, Heilpraktikerin Anne Wanitschek, betreuen wir in unserer Praxis in Berlin schwerpunktmäßig zahlreiche Krebspatienten. Anhand unserer praktischen Erfahrung können auch wir keine Aussage treffen, ob der Vitalpilz Reishi entscheidend auf den Verlauf einer Krebserkrankung einwirken kann. Bei positiven Verläufen scheint es nicht möglich, rückwirkend die Effizienz der meist zahlreichen schulmedizinischen und naturheilkundlichen Therapien gegeneinander abzuwägen. Deswegen will ich mich auf die Schilderung folgender drei Beobachtungen beschränken, die wir aufgrund unserer Erfahrungen dem Einsatz von Reishi zuschreiben und als dessen Indikationsgebiete formulieren können:

  1. Verbesserung der Leberwerte
  2. Verbesserung der Lebensqualität
  3. Verbesserung des Blutbildung (Hämatopoese)
  1. Die Leber als zentrales Stoffwechselorgan kann im Laufe einer Krebserkrankung und dessen Medikation in ihrer Leistungsbreite eingeschränkt sein. Hierbei sind für die naturheilkundliche Arbeit zunächst zwei Stufen zu unterscheiden:
  1. a) Beeinträchtigung des Leberstoffwechsels ohne klinischen Befund (meist unklare Beschwerden wie Müdigkeit, Inappetenz, Verdauungsbeschwerden)
  2. b) Beeinträchtigung der Leberleistung mit klinischem Befund (anhand der Leberenzyme im Blut nachweisbar.)

Für beide Stufen zeigt sich der Einsatz von Reishi in unserer Praxis wirksam. Zudem konnten wir feststellen, dass Chemotherapeutika, die im Vorfeld nicht gut vertragen wurden, unter der Gabe von Reishi besser toleriert wurden.

  1. Um die Verbesserung bei der Lebensqualität zu veranschaulichen wertete ich zehn Akten von Patienten aus, die an einer Krebsart erkrankt sind und im Januar 2015 auf unsere Veranlassung eine Therapie mit Reishi erhalten haben. Der Fokus lag hierbei:
  • auf dem subjektiv empfundenen Energielevel,
  • auf der Schlafqualität und
  • und der psychischen Stabilität.

Das Ergebnis dieser Auswertung ist in folgender Abbildung ersichtlich.

Auswertung von 10 Therapieverläufen   (berücksichtigter Zeitraum > 6 Monate) unter Behandlung mit Reishi.

Legende: + Besserung der Symptomatik; = keine Veränderung; – Verschlechterung der Symptomatik

Patient Energielevel Schlafqualität Psych. Stabilität
Pat. 1 + = =
Pat. 2 = + =
Pat. 3 + = +
Pat. 4 + +
Pat. 5 + + +
Pat. 6 = +
Pat. 7 + + +
Pat. 8 + = +
Pat. 9 + = =
Pat. 10 + +

 

Die meisten Veränderungen zeigten sich beim subjektiv empfundenen Energielevel, bei 70 % der Patienten wurde hier eine Verbesserung geäußert, bei der Schlafqualität bei 50 % und bei der psychischen Stabilität bei 60 %. Aufgrund der geringen Anzahl an ausgewerteten Patientenakten ist diese Auswertung nur bedingt aussagekräftig, deckt sich jedoch mit unseren bisherigen Erfahrungen. Des Weiteren können wir unter Einnahme von Reishi häufig Verbesserungen bei Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit erleben. Die Verbesserungen in der Lebensqualität in Verbindung mit seiner schmerzlindernden Wirkung qualifizieren den Arzneipilz unserer Ansicht nach auch für den palliativen Einsatz.

Toxizität, Wechsel- und Nebenwirkungen

Bisher konnten in der Literatur keine Fälle von Vergiftungen durch Reishi beschrieben werden.

Reishi wird von den meisten Patienten gut vertragen, zu Beginn der Einnahme kann es jedoch zu folgenden Nebenwirkungen kommen: Blähungen, Durchfall, Kopfschmerzen und in seltenen Fällen Übelkeit. Treten Kopfschmerzen auf, so sind diese auf die forcierte Entgiftung durch Reishi zurückzuführen und können meist durch Erhöhung der Trinkmenge behoben werden. Sollte dies nicht ausreichen, empfiehlt sich die Halbierung der Tagesdosis für einige Tage.

Aufgrund seines hohen antioxidativen Potentials, das möglicherweise die Wirkung der Chemotherapie beeinträchtigen könnte, wird wie bei ähnlich antioxidativen Stoffen und Therapeutika der gleichzeitige Einsatz von Reishi während einer Chemotherapie bisweilen kontrovers diskutiert. Hierfür bestehen aus Sicht der praktischen Anwendung und der Studien keine Anhaltspunkte, die Wirkung der Chemotherapeutika scheint im Gegenteil bei gleichzeitiger Gabe teilweise sogar verstärkt. Im Zweifelsfall halten wir Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen. Bei Patienten, die aufgrund einer Autoimmunerkrankung oder einer Transplantation Immunsuppressiva einnehmen, ist die Einnahme von immunmodulierenden Vitalpilzen wie auch Reishi kritisch zu sehen.

In der Praxis beobachteten wir, dass die gleichzeitige Gabe von Reishi und L-Thyroxin den Patienten nicht bekommt.

Mittlerweile sind viele Präparate von Reishi (Ganoderma lucidum) im Handel. Hierbei ist auf die Gewährleistung der Verkehrsfähigkeit durch den Nachweis von regelmäßigen Laborkontrollen von Seiten des Herstellers zu achten, um Belastungen mit Schwermetallen, Radioaktivität oder Pestiziden zu vermeiden.

Fazit

Naturheilkundliche Therapieoptionen wie der Einsatz des Vitalpilzes Reishi leisten einen wichtigen Beitrag in der Behandlung von Krebserkrankungen, Aussagen über das Kosten-Nutzen-Verhältnis sind jedoch schwer zu geben. Unsere Praxiserfahrungen über die positiven Wirkungen von Reishi auf die Lebensqualität, auf den Leberstoffwechsel und die Blutbildung von Krebspatienten bei guter Verträglichkeit decken sich mit bisherigen Forschungsergebnissen. Die chemosensibilisierende Wirkung stellt den wohl interessantesten Aspekt für weitere klinische Forschung dar, um möglichen Therapieresistenzen entgegenzutreten.

Der Verfasser

Sebastian_ViglSebastian Vigl ist Heilpraktiker der Gemeinschaftspraxis Heilpraktiker Wanitschek & Vigl Berlin. Daneben ist er als Autor von Ratgebern und für diverse Fachzeitschriften tätig.

 

 

Quellenangabe

Alaoui-Jamali M (ed.). Alternative and complementary therapies for cancer. Integrative approaches and discovery of conventional drugs. New York: Springer, 2013

Bianchi Ivo. Moderne Mykotherapie (Pilzheilkunde). Der Gebrauch der Pilze in der Medizin. Alpha One AG; Deutsche Zweitauflage Mai 2009

Hübner Jutta. Komplementäre Onkologie. Supportive Maßnahmen und evidenzbasierte Empfehlungen. Schattauer, 2. Auflage 2012

Jin X, Ruiz Beguerie J, Sze DM, Chan GC. Ganoderma lucidum (Reishi mushroom) for cancer treatment. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Jun 13

Zhao H, Zhang Q, Zhao L, Huang X, Wang J, Kang X. Spore Powder of Ganoderma lucidum Improves Cancer-Related Fatigue in Breast Cancer Patients Undergoing Endocrine Therapy: A Pilot Clinical Trial. Evid Based Complement Alternat Med. 2012

 

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