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Es gibt viele verschiedene Strategien, die die Naturheilkunde bei Krebs empfiehlt. Dazu zählen verschiedene Ernährungsratschläge, die sich positiv auf die Entstehung und den Verlauf von Krebserkrankungen auswirken können. Gemäß einer gängigen Empfehlung sollten Krebspatienten zum Beispiel mehr zu pflanzlichen, denn zu tierischen Eiweißquellen greifen. Dies hat mit einem Wachstumsfaktor mit Namen IGF-1 zu tun. Welche sonstigen naturheilkundlichen Verfahren interessant sind, können Sie dem Artikel „Krebs natürlich heilen“ entnehmen.

IGF-1: Treibstoff für das Krebswachstum

In unserem Körper wird rege kommuniziert. Nicht nur über die Nervenbahnen, die jede Sekunde unzählige Informationen weiterleiten. Die Zellen unseres Körpers verständigen sich auch mittels spezifischer Stoffe. Dazu können wir zum Beispiel die Hormone, die Entzündungsmediatoren und die sogenannten Wachstumsfaktoren zählen. Letztere werden vor allem in der Leber gebildet und haben – wie ihr Name schon verrät – eine Auswirkung auf das Wachstum von Zellen und Geweben. Aus diesem Grund werden sie zum Beispiel auch als Dopingmittel missbraucht, um das Muskelwachstum anzuregen.
Einer dieser Wachstumsfaktoren heißt IGF-1 (Insulin-like growth factor 1). Seine wachstumsfördernden Wirkungen sind wichtig für unsere Entwicklung, sie können aber auch zum Problem werden. Sie kurbeln nämlich auch das Wachstum von Krebszellen an. (1)
Deutlich wird das beim sogenannten Laron-Syndrom, eine Erkrankung, bei der keine Wachstumsfaktoren gebildet werden können. Die schätzungsweise 300 weltweiten Patienten mit dieser Erkrankung müssen keine Angst vor einer Krebsdiagnose haben. Bisher ist erst ein Patient mit dem Laron-Syndrom an einer nicht tödlichen Krebsform erkrankt.

Eiweißaufnahme beeinflusst die Bildung von IGF-1

Aufgrund der entscheidenden Wirkung von IGF-1 auf die Prognose von Krebserkrankungen beschäftigen sich viele Forscher mit der Frage, wie seine Bildung reduziert werden kann. Ein wichtiger Faktor ist hierbei die Aufnahme von Eiweiß, wie eine amerikanische Forschergruppe in einer Publikation aus dem Jahre 2014 beschreibt. Sie werteten unter anderem Daten von 6381 Menschen aus, die älter als 50 Jahre waren. Zunächst analysierten sie deren Essverhalten und deren täglich verzehrte Menge an Eiweiß. Dabei fanden sie heraus, dass Personen mit einem hohen Eiweißverzehr bis zu 4-mal häufiger an Krankheiten wie Krebs und Diabetes verstarben. (2)
Verantwortlich hierfür ist der schon erwähnte Wachstumsfaktor IGF-1. Eine hohe Proteineinnahme kann nämlich mit einem Anstieg des Faktors einhergehen.

Was bedeutet das nun für Krebspatienten? Sollen Krebspatienten wenig oder gar kein Eiweiß verzehren? Nein, das wäre fatal. Eiweiße sind gerade bei einer Krebserkrankung wichtig, um den Organismus und im Besonderen das Immunsystem während der Erkrankung zu stärken. Die bereits erwähnte Forschergruppe empfiehlt eine tägliche Eiweißaufnahme von ca. einem Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Sie haben nämlich herausgefunden, dass neben der Menge vor allem die Qualität der aufgenommenen Eiweiße eine entscheidende Rolle bei der Beeinflussung von IGF-1 spielt. (2)

Pflanzliches Eiweiß ist für Krebspatienten empfehlenswert

Die negativen Auswirkungen einer hohen Eiweißaufnahme auf die Sterblichkeit von Krebspatienten konnte nur dann beobachtet werden, wenn überwiegend tierische Proteine verzehrt wurden. Bei Krebspatienten, die hauptsächlich pflanzliches Eiweiß zu sich nahmen, fand sich keine Veränderung ihrer Überlebenschancen. (2) Diese Erkenntnis deckt sich übrigens auch mit anderen Studien, die Krebspatienten pflanzliche Eiweiße empfehlen. (3)(4)(5)
Seinen Eiweißbedarf aus pflanzlichen Quellen zu stillen, ist nicht schwer. Es gibt eine Reihe stark proteinhaltiger Pflanzen, die zudem auch sehr schmackhaft sind. Dazu zählen unter anderem Quinoa, Amarant, Buchweizen, Hanf, Hülsenfrüchte wie Sojabohnen, Linsen, Bohnen und Erbsen, Nüsse und Getreidesorten wie Hirse, Mais, Roggen, Weizen oder Dinkel.

Der Verfasser

Sebastian_ViglSebastian Vigl ist Heilpraktiker der Gemeinschaftspraxis Heilpraktiker Wanitschek & Vigl Berlin. Daneben ist er als Autor von Ratgebern und für diverse Fachzeitschriften tätig. Ende August 2017 erscheint sein neues Buch „Naturheilkunde bei Krebs“.

 

 

Quellen

(1) Pollak MN, Schernhammer ES, Hankinson SE. Insulin-like growth factors and
neoplasia. Nat Rev Cancer. 2004 Jul;4(7):505-18
(2) Levine ME, Suarez JA, Brandhorst S, Balasubramanian P, Cheng CW, Madia F,
Fontana L, Mirisola MG, Guevara-Aguirre J, Wan J, Passarino G, Kennedy BK, Wei M, Cohen P, Crimmins EM, Longo VD. Low protein intake is associated with a major reduction in IGF-1, cancer, and overall mortality in the 65 and younger but not older population. Cell Metab. 2014 Mar 4;19(3):407-17
(3) Estruch R, Ros E, Salas-Salvado J, Covas MI, Corella D, Aros F, Gomez-Gracia E, Ruiz-Gutierrez V, Fiol M, Lapetra J, et al. Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet. The New England journal of medicine. 2013;368:1279–1290
(4) Linos E, Willett WC. Diet and breast cancer risk reduction. Journal of the National Comprehensive Cancer Network : JNCCN. 2007;5:711–718
(5) Michaud DS, Augustsson K, Rimm EB, Stampfer MJ, Willet WC, Giovannucci E. A prospective study on intake of animal products and risk of prostate cancer. Cancer causes & control : CCC. 2001;12:557–567