Zeitlos jung werden

Verjüngung – jung und lebendig bleiben

Colchicum (herbstzeitlose) ist nach der Gegend Kolchis am Schwarzen Meer, im heutigen Georgien benannt. Medea, eine große Zauberin hat einen Verjüngungstrank für ihren Schwiegervater Aion gebraut. Dabei fielen einige Tropfen zu Boden und die Pflanze entstand daraus. Die Pflanze schert sich nicht darum, wann und wie Blumen gewöhnlich blühen, scheint jenseits der Zeit zu blühen, wenn sie leuchtend, ja, fast provozierend im Herbst ihre Blüten herausstreckt. Jemand, der andere Menschen verjüngen kann, muss wirklich im zeitlosen Bereich arbeiten können. Die russischen Heiler um Grigori Grabovoi lehren die Verjüngung und legen viel Wert darauf. Naturheilkunde schön und gut, aber bei Verjüngung hört es bei uns auf. Dabei macht der philosophische Hinterbau Grabovois Sinn: Er meint, wir werden nur alt, wenn wir nicht mehr bereit sind, dazuzulernen, zu wachsen. Wir kennen das von Kindern, mit welcher Freude und Begeisterung sie lernen. Ganz nachvollziehbar hilft Colchicum bei einer Erscheinung, die im fortgeschrittenen Alter durch Überernährung auftritt, der Gicht.

 Verhärtetes Denken lösen – beweglich werden – voranschreiten

Wenn Menschen – nicht nur im Älterwerden zu zunehmenden Verhärtungen neigen, dann hat das aus anthroposophischer Sicht mit einer Verhärtung des Denkens, ja, sogar des ganzen Wesens zu tun. In der Fußreflexzonentherapie steht die Großzehe, in dem die Gichtanfälle gehäuft auftreten, für den Kopf. Bei Gichtpatienten trifft man oft auf unflexible, dogmatische, schlecht gelaunte, im Geist unlebendige Menschen. Gichtpatienten sind jedoch keine verknöcherten Asketen wie z. B. Mönche. Sie entsprechen eher einem eingefleischten bayrischen diktatorischen Großgrundbesitzer, der nicht genug Weißwürste essen kann. Gicht hat oft zu tun mit Dogmatismus gepaart mit kompensatorischem Essen, sich identifizieren mit Materiellem. Die Gichtanfälle signalisieren deutlich, dass es so kalt – kristallisiert (es handelt sich um abgelagerte Harnsäurekristalle) nicht mehr weitergehen kann. Die Zwiebel der Herbstzeitlosen entspricht in der Signatur der leidenden Großzehe. Es genügt aber nicht, die Colchicum – Person auf den gichtgeplagten dogmatischen Esser zu beschränken.

Alte Dogmata und Angst ausgeschlossen zu werden

Um ihn zu heilen, müssen wir verstehen, wieso wird ein Mensch so? Die psychischen Symptome der Herbstzeitlose entsprechen der Stimmung in einem bayrischen Dorf in den 50er Jahren: Kondome und die Pille sind verpönt, Geschlechtsverkehr gibt es nur über den Preis vieler Kinder. Das Dorf ist geprägt von kirchlichen Dogmen, die Bewohner leben in Angst, dass sie die Regeln nicht einhalten oder ihr Fehlverhalten ans Licht kommt und sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Heute leben wir vernetzt und offen für die Welt, aber damals in einem kleinen Dorf ohne die Möglichkeit sich schnell fortzubewegen war diese Angst sehr mächtig. Colchicum will dazugehören und den Respekt der Gesellschaft über alles.

Die kollektiv verletzte Weiblichkeit – die unterdrückte Rachsucht

Medea hat selbst diese Symptome: Sie wird ausgeschlossen von ihrer Volksgruppe, weil sie ihrem Mann geholfen hat, ihrem Vater das Goldene Vlies zu stehlen. Und das alles wird mit Undank belohnt, ihr Mann verlässt sie schließlich. Daraufhin entsteht bei Medea eine große Rachsucht, so groß, dass sie sogar die Kinder, die sie mit Jason hatte, tötete. Medea steht für die zutiefst verletzte Weiblichkeit. Diese ist in unserem Patriarchat kollektiv verletzt. Wenn nun eine solche Medea-Mutter einen Sohn bekommt, will sie ihn „töten“. Sie entlädt ihre Enttäuschung und Männerhass unbewusst auch am eigenen Kind, sie produziert einen Muttersohn, kann ihn nicht freigeben, hält ihn abhängig. Im Sohn entsteht der entsprechende Frauenhass und so geht das weiter und weiter. Zunächst aber fühlt sich der Sohn mütterlich nicht genährt, nein, verraten. Und folgert daraus, dass man dem „Zauber“, dem Unberechenbaren des Weiblichen lieber nicht vertrauen sollte geschweige denn sich dem hingeben. Daraufhin zieht er sich auf das Zurück, was er kontrollieren kann: Wie viele Stullen er isst und die Huren im Bordell bezahlt er nach Stundenlohn. Ein Name der >Herbstzeitlose ist auch „Nackte Hure“, so hieß die Pflanze im Mittelalter. Geheilt wird diese Wunde von Ähnlichem, von Medea, von Colchicum.

 Sohn vor dem Vater, die Ordnung in der Familie

„Filius ante patrem“ (Sohn vor dem Vater, die Pflanze blüht im Herbst, Samen entwickelt sie erst im Frühjahr) – Wenn eine von Männern verletzte Mutter sich von den Männern zurückzieht und den Sohn bevorzugt, entsteht eine Art Perversion, die nicht in der gesunden Ordnung ist. Es entstehen Dramen wie die des Ödipus, Muttersohndramen, aus denen ganze Kriege entstehen können (s. Volker Pilgrim – Muttersöhne).

Giftwirkung

ACHTUNG: Als Urtinktur oder frisch gegessene Blüten ist die Herbstzeitlose schon in kleinen Mengen giftig!

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Clemens_SteinerClemens Steiner ist Heilpraktiker in Frickingen am Bodensee und befasst sich vor allem mit der Wirkung von Heilkräutern auf körperlicher, emotionaler und seelischer Ebene.
Im Internet ist er unter www.clestei-naturheilpraxis.de erreichbar.

 

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