Warum das Inhalieren von Cannabis so beliebt ist

Medizinisches Cannabis und seine Inhaltsstoffe, die Cannabinoide, werden heute bei einer Vielzahl von Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt. Zur Diskussion steht mittlerweile auch die Anwendung von Cannabis bei Brustkrebs, Hirntumoren oder anderen schweren Erkrankungen. Cannabis und seine Cannabinoide können auf verschiedene Weise angewandt werden. Zur Auswahl stehen Cannabis-Medikamente wie Sativex, ölige Lösungen, flüssige Extrakte und Cannabisblüten. Letztere werden besonders häufig verwendet. In diesem Beitrag wollen wir Ihnen zeigen, wie Cannabisblüten mit einem Vaporizer richtig inhalieren werden.
Bis vor Kurzem war das Rauchen von Cannabisblüten die beliebteste Anwendungsform. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Cannabisblüten werden von den meisten Anwendern nun mit entsprechenden Inhalationsgeräten, den sogenannten Vaporizern, inhaliert. Diese Methode hat gegenüber dem Rauchen entscheidenden Vorteile. Beim Inhalieren mit dem Vaporizer entstehen im Unterschied zum Rauchen keine gesundheitsschädlichen Verbrennungsprodukte. Zudem ist das Vaporisieren effektiver. Im dabei entstehenden Dampf finden sich mehr Cannabinoide als im Rauch einer Cannabiszigarette/eines Joints.

Den Vaporizer mit Cannabisblüten befüllen

Jeder Vaporizer hat eine Kräuterkammer, in die die Cannabisblüten gelegt werden. Die Kräuterkammer sollte nicht komplett bis oben gefüllt werden, dann kann die vom Vaporizer erhitzt Luft nicht durch die Kräuterkammer strömen und die Wirkstoffe nicht extrahieren. In der Regel sollten Kräuterkammern maximal bis zur Hälfte befüllt werden. Dann kann die durchströmende Luft sie verwirbeln und dafür sorgen, dass das ganze Pflanzenmaterial gleichmäßig erhitzt und extrahiert wird.
Vor der Befüllung ist es wichtig, dass die Cannabisblüten zerkleinert werden. Bei granulierten Blüten ist das nicht notwendig, bei den anderen schon. Für das Zerkleinern von Cannabisblüten eignen sich sogenannte Grinder, die in verschiedenen Materialien erhältlich sind. Grinder werden mit den Cannabisblüten befüllt und dann mechanisch zerkleinert. Je feiner das Ausgangsmaterial zerkleinert wird, desto besser. Mit dem Zerkleinern wird die Kontaktfläche der Cannabisblüten für die heiße Luft des Vaporizers erhöht, mehr Inhaltsstoffe können damit extrahiert werden.

Den Vaporizer richtig einstellen – die Decarboxylierung

Ist der Vaporizer befüllt, muss noch die richtige Temperatur eingestellt werden. Die Temperatur ist sehr wichtig. Zum einen wird sie dafür benötigt, die Inhaltsstoffe aus den Cannabisblüten zu lösen. Die Hitze bewirkt, dass diese verdampfen und eingeatmet werden können. Die Temperatur hat aber noch einen weiteren wichtigen Effekt: Sie führt zur Aktivierung der Cannabinoide wie THC oder CBD. Diese sind in den Cannabisblüten nur zu einem geringen Teil in ihrer wirksamen Form vorhanden. Der Großteil liegt als sogenannte Carboxylsäure vor, die nur eine eingeschränkte Wirkung hat. Die Carboxylsäuren von THC und CBD heißen THCA und CBDA. Vor der Anwendung muss eine Carboxylgruppe von THCA und CBDA entfernt werden. Die geschieht bei der sogenannten Decarboxylierung. Zur Decarboxylierung kommt es unter anderem bei ausreichend hohen Temperaturen. Für THCA wird ungefähr 160 Grad Celsius benötigt, für CBDA ungefähr 180 Grad. Aus diesem Grund sollte – sofern von den Ärzten nicht anders empfohlen – medizinisches Cannabis bei mindestens 160 Grad Celsius verdampft werden. Nur dann ist sichergestellt, dass eine ausreichende Menge an Cannabinoiden aktiviert wurde.

Was beim Inhalieren von Cannabis zu beachten ist

Das Buch „Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden“

Jeder Vaporizer hat ein Mundstück, das an den Mund geführt und mit den Lippen umschlossen werden kann. Durch die Öffnung im Mundstück kann der im Vaporizer entstehende Rauch eingeatmet werden. Grundsätzlich sollte der Dampf nicht hastig eingesogen werden, die Züge sollten lange und gleichmäßig sein. Das unterstützt den Verdampfungsprozess im Vaporizer. Beim Einatmen sollte ein leichtes Aroma wahrnehmbar, beim Ausatmen Dampf sichtbar sein. Erst wenn kein Dampf mehr sichtbar ist, sollte die Anwendung abgeschlossen werden. Wie lange diese dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Von der Menge und der Qualität der verwendeten Cannabisblüten, von der eingestellten Temperatur und von der Häufigkeit und der Tiefe der Züge. Ein Anwendung dauert in der Regel zwischen 10 und 15 Minuten. Am Ende der Anwendung sollten die verwendeten Cannabisblüten nicht mehr grün, sondern bräunlich sein und deutlich weniger aromatisch riechen als vor der Anwendung. Sind die Cannabisblüten in der Kräuterkammer nach der Anwendung verkohlt, dann war die Verdampfungstemperatur zu hoch.
Wer noch wenig oder keine Erfahrung mit der Anwendung von Cannabis hat, sollte die ersten Anwendungen in einer ruhigen Atmosphäre durchführen. Wenn noch eine weitere Person anwesend ist, ist das von Vorteil. Ist die anfängliche Dosierung nämlich zu hoch gewählt, kann es zu Nebenwirkungen von Cannabis wie Schwindel oder Unwohlsein kommen.

Über den Autor und das Buch „Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden“

Heilpraktiker Sebastian Vigl

Sebastian Vigl arbeitet als Heilpraktiker bei Heilpraktiker Wanitschek & Vigl Berlin und als Autor. Als solcher hat er bereits diverse Ratgeber veröffentlicht und viele Beiträge für verschiedene Fachzeitschriften, unter anderem für die Zeitschriften „Naturheilpraxis“ (Pflaum Verlag), „Der Heilpraktiker“ (Verlag Volksheilkunde) und die „Deutsche Heilpraktiker Zeitschrift“ (Haug Verlag), geschrieben. Er ist Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsinformationen im Netz. Er bloggt regelmäßig zu den Themen Cannabis und Cannabidiol (CBD).
Zusammen mit seiner Praxiskollegin Anne Wanitschek veröffentlichte er im Herbst 2018 den Ratgeber „Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden“. Der Ratgeber bieten einen aktuellen und faktenbasierten Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Cannabis und CBD. Die Autoren zeigen, wie Cannabis und CBD bei über 40 Erkrankungen oder Beschwerden angewandt werden können. Neben den Anwendungsmöglichkeiten bietet der Ratgeber auch wichtige Hilfestellungen zu Ergänzungsmöglichkeiten mit anderen Heilpflanzen und eine Übersicht über aktuelle klinische Studien zur Wirksamkeit.

Wichtiger Hinweis

Die in diesem Beitrag gegebenen Ratschläge dienen nur der Information. Sie ersetzen keine ausführliche ärztliche Beratung. Grundsätzlich sollten bei der Anwendung von Cannabis immer den Anweisungen des Arztes oder der Ärztin und den Hinweisen des Herstellers des Vaporizers Folge geleistet werden.

 

Teilen Sie diesen Beitrag!